Die Rede von Herbert Burkhardt, Vorsitzender des Ortskartells Neckargartach und Stadtrat, zum Volkstrauertag:
63 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur gedenken wir heute der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft. Wir gedenken der Toten der beiden Weltkriege, der gefallenen Soldaten und der Millionen getöteten Zivilisten
Die Deutsche Geschichte ist durch die schreckliche Zeit des Dritten Reichs schwer belastet. Wir Deutsche müssen uns mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Wie viele anderen deutschen Städte bezahlte auch Heilbronn für die Machtgelüste Adolf Hitlers und seiner Mitstreiter einen hohen Preis:
In wenigen Tagen gedenken wir Heilbronner am 4. Dezember 1944 wie unsere Heimatstadt von den Bomben der alliierten Kriegsgegner in Schutt und Asche gelegt wurde. Rund 7000 Männer, Frauen und Kinder verloren dabei ihr Leben.
Doch beim gedenken an die vielen sinnlosen Todesopfer muss auch die Frage nach den Konsequenzen aus der Vergangenheit gestellt werden. Ich frage mich und Sie was haben wir gelernt aus der Vergangenheit, denn nur das Lernen macht unser heutiges Gedenken erst sinnvoll.
Wir können daraus lernen, dass wir entschieden dem Hang widerstehen, die eigene Art, die eigene Kultur höher zu achten als die anderer Völker.
Man kann zum eigenen Volk stehen, ohne es über andere zu erheben.
Man kann die eigene Kultur pflegen, ohne andere Kulturen abzuwerten.
Wir können daraus lernen, dass wir uns hüten vor jeder Art der Judenverachtung oder Judenfeindschaft. Es ist eine Schande für unsere Stadt, ja für unser ganzes Volk, dass in Heilbronn, die jüdischen Versammlungsstätte/Kirche nicht im Adressbuch steht, dass Synagogen in unserem Land bei Tag und Nacht polizeilich bewacht werden müssen und dass der antisemitische Hass nicht einmal vor jüdischen Grabstätten Halt macht.
Wir können lernen, dass wir uns einsetzen für jeden Menschen, der angegriffen wird wegen seiner Hautfarbe, seiner Veranlagung, seiner anderen Kultur. Das kann der türkische Arbeitskollege sein, der dumme Sprüche erdulden muss, aber auch die Asylbewerberfamilie, die aus Lebensgefahr geflohen ist und kein Forum findet, das ihre Not und Bedrohung anerkennt. Wir Deutschen haben besonders viel Grund, Menschen, die aus Lebensgefahr geflohen sind, gastlich und schützend aufzunehmen.
Wir können es lernen, die Partnerschaft zu Menschen anderer Völker sorgsam und freudig zu pflegen. Jeder Fremde, der mit uns die Verbindung pflegt, bewahrt uns vor dem Rückfall in Verengung und nationalistische Beschränkung.
Wir können uns klarmachen, dass es unserer Kultur und unserer Religion nicht schadet, wenn sie ganz anderen begegnet. Dass sie vielmehr an solchen Herausforderungen wächst.
Wir müssen nicht fürchten, dass unsere Kultur und Religion, wenn sie wirklich gegründet sind, von anderen Kulturen und Religionen weggeweht werden.
Wir müssen allenfalls fürchten, dass wir mit unseren Kulturen und mit unserem Glauben dann, wenn wir die Fenster dicht machen, uns bald wie in einem Zimmer finden, das lange nicht mehr gelüftet wurde.
Schon deshalb, damit wir aus der Vergangenheit lernen brauchen wir den Volkstrauertag – damit all dies nicht in Vergessenheit gerät. Lassen Sie uns heute mit dieser Veranstaltung - der Opfer gedenken von Krieg und auch neuer Gewaltherrschaft.
Lassen Sie uns die Erinnerung an dieses Unrecht bewahren und lassen Sie uns heute der vielen Toten gedenken aber lassen Sie uns auch Mahnen,
dass nie wieder vom deutschen Volk Krieg ausgeht. Wir wollen am heutigen Volkstrauertag an das Gute im Menschen glauben uns unserer Stärken erinnern, dass wir diese Welt „ein bisschen friedlicher“ machen werden. Frieden, Freiheit und Geschwisterlichkeit sind dann keine Utopie mehr.
Lassen Sie mich meine Ausführungen in diesem Sinne wie im letzten Jahr mit dem Gebet der Vereinten Nationen schließen:
Herr, unsere Erde ist nur ein Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen können.