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Fristimis: Meinungsartikel von Erhard Jöst

Veröffentlicht in Allgemein

Am 16.8.2014 erschien auf der Titelseite der Tageszeitung “Heilbronner Stimme” ein propagandistisches Foto. Unter der Überschrift “Von der Leyen: Notfalls auch deutsche Waffen für den Irak” zeigte es die Verteidigungsministerin auf dem Nato-Flughafen Hohn in Alt Duvenstedt.

Wie ein General schaut sie, die Arme vor der Brust verschränkt, nach vorn in die Zukunft. Im Hintergrund hebt sich vor wolkenverhangenem Himmel die schwarze Silhouette einer Transall-Maschine der Bundewehr ab. Das Bild nahm ich zum Anlass, der Zeitung folgenden Leserbrief zugehen zu lassen:

“Endlich sind wir wieder so weit, werden die deutschen Militaristen jubeln. Denn jetzt dürfen deutsche Soldaten wieder auf allen Kriegsschauplätzen in der Welt mitkämpfen und bald dürfen die in Deutschland produzierten Waffen auch in Kriegsgebiete geliefert werden.
Die Propaganda liefert der Presse die passenden Bilder für die Titelseiten, zum Beispiel das stimmige Foto, das Ursula von der Leyen auf dem Nato-Flugplatz Hohn zeigt. Mit strategisch-visionärem Weitblick schaut der oberste Feldherr, dank der modernen Eman­zi­pa­tion im 21. Jahrhundert zur obersten Feldfrau mutiert, auf die in der Ferne liegenden Schlachtfelder. Vor einem wolkenverhangenem Himmel wartet das schwarze Mi­li­tär­flug­zeug auf den Startbefehl. Jetzt ist es freilich auch an der Zeit, dass die Bundesregierung aus Gründen der Ehrlichkeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium um­be­nennt.”

Die Rückmeldung erfolgte prompt. “Leider wurde Ihre Leserzuschrift von der Chefredaktion abgelehnt”, schrieb ein “auszubildender Medienkaufmann”, da sie “zu polemisch ist und kann somit nicht veröffentlicht werden.” Ich schrieb daraufhin an den Chefredakteur:

“Sie haben mir durch einen Praktikanten eine Mail zukommen lassen, mit der mir mitgeteilt worden ist, dass Sie meinen Leserbrief vom 16.8. nicht veröffentlichen werden, weil er ‘zu polemisch’ sei. Laut DUDEN versteht man unter ‘Polemik’ eine ‘intellektuelle Aus­ei­nan­der­set­zung um literarische, wissenschaftliche u.a. Fragen”. Es wird auf die Begriffe ‘Fehde’ und ‘Federkrieg’ verwiesen. ‘Polemisch’ bedeutet ‘streitbar’, ‘polemisieren’ heißt, ‘gegen jmdn. losziehen (mit geistigen Waffen)’.Demnach billigen Sie mir die Fähigkeit zu, eine ‘intellektuelle Aus­ei­nan­der­set­zung’ anstoßen zu können, wofür ich mich herzlich bedanke.
Nicht verstehen kann ich allerdings, weshalb Sie einen solchen Denkanstoß in der HSt nicht publizieren möchten. Denn meine Äußerungen sind ja weder beleidigend noch falsch, sie bringen die Entwicklungen vielmehr auf den Punkt und auf die richtige Bezeichnung. Denn wenn eine Armee nicht allein der Verteidigung dient, sondern auch in Kriegseinsätze geschickt wird, dann ist die zuständige Ministerin logischer Weise eine Kriegs- und nicht mehr nur eine Verteidigungsministerin. Nach wie vor finde ich es besser, einen ‘Federkrieg mit geistigen Waffen’ als eine ‘kriegerische Aus­ei­nan­der­set­zung mit tödlichen Waffen’ auszutragen. Und nach wie vor ist es meines Erachtens notwendig, der Propaganda für Krieg eine Polemik für Frieden entgegen zu setzen. Um so mehr bedauere ich, dass Sie meine Leserzuschrift zurückgewiesen haben und würde mich freuen, wenn Sie diese Ablehnung überdenken und in Folge revidieren könnten.”

Die Antwort des Chefredakteurs lautete: “Lassen wir mal die Begriffserläuterungen zur Polemik weg – eine Verteidigungsministerin kann in unserer Zeitung nicht als Kriegs­mi­nis­terin bezeichnet werden. Das widerspricht unseren journalistischen Grundsätzen.”
Auch diesen Aussagen musste ich widersprechen:

“Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mir nun selbst auf meine Mail vom 18.8. geantwortet haben, auch wenn mich Ihre Argumentation nicht überzeugen kann. Wenn Sie meinen Leserbrief genau lesen, werden Sie feststellen, dass Ihre Aussage nicht zutrifft. Ich habe dort Frau von der Leyen nicht als ‘Kriegsministerin’ bezeichnet, sondern ich habe diesen Vorschlag unterbreitet: ‘Jetzt ist es freilich auch an der Zeit, dass die Bundesregierung aus Gründen der Ehrlichkeit das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium’ umbenennt. Inwiefern diese Aussage den ‘journalistischen Grundsätzen’ der HSt widersprechen soll, verstehe ich nicht. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als der ehemalige Doktor Guttenberg Deutschland als Verteidigungsminister diente. Damals wurde nämlich darüber gestritten, ob man die Entsendung von Bundeswehrsoldaten in Kampfgebiete als Kriegseinsätze bezeichnen könne. Inzwischen hat sich in diesem Fall die korrekte Bezeichnung durchgesetzt.”

Man fragt sich freilich, ob sich solche Wörter auch halten können. Denn es ist zu befürchten, dass mit dem Ausbau der Kriegspropaganda die Politik und die Presse sich zunehmend an George Orwell erinnern und “Neusprech” einsetzen werden. Es dürfte wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis so belastende Begriffe wie “Krieg”, “Kampfeinsätze” und “Waffen” durch freundliche Wörter wie “Verdewer” (=Verteidigung demokratischer Werte), “Huhi” (=Humanistische Hilfe) und “Fristimi” (=Frieden stiftende Mittel) ersetzt werden.

 

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